Neuer Verein in Sicht

Neuer Verein in Sicht

03.11.2017

Fußballer der FSV machen sich als 1. FC Sarstedt selbstständig / Keine Fusion mit TuSpo Schliekum

Der Weg ist frei, ein Großteil der Steine aus dem Weg geräumt – diese Metaphern treffen es eigentlich ganz gut. Wenn Viktor Rosenfeld zuletzt durch Sarstedt spaziert ist, hat er sich nicht selten für einen kleinen Plausch Zeit nehmen müssen. Das Gesprächsthema war dabei in der Regel der Fußball in der Stadt an der Innerste. „Mit was für Gerüchten ich da teilweise konfrontiert worden bin, ist schon der Wahnsinn“, sagt der 27-Jährige und lacht. „Ich bin froh, dass das jetzt ein Ende hat.“

Das sind die Fakten – und die haben es durchaus in sich: Die Fußballabteilung der FSV Sarstedt löst sich mit Ende dieser Spielzeit aus dem Gesamtverein und wird eigenständig. Vor einer Woche ist in der Gründerversammlung der 1. Fußball-Club Sarstedt von 2017 aus der Taufe gehoben worden. Um 18 Uhr eröffnete Karl Brinke als ältester Anwesender die Zusammenkunft, um 19.15 Uhr war die Tagesordnung abgearbeitet. „Der Status ist nun, dass wir ein Verein in Gründung sind“, erläutert Rosenfeld, der bei der FSV stellvertretender Abteilungsleiter und nun Vorsitzender des neuen Clubs ist. „Im nächsten Schritt werden wir noch in diesem Jahr alle Unterlagen vom Notar beglaubigen lassen, um dann beim Amtsgericht vorstellig zu werden und den Verein zu gründen.“ 2018 wolle man – zum Vorstand gehören Nijaz Pepic als stellvertretender Vorsitzender, Olaf Froböse als Schriftführer und Jan Packebusch als Kassenwart – den Antrag auf Anerkennung der Gemeinnützigkeit beim Finanzamt stellen.

Eine Fusion mit der TuSpo Schliekum, über die besonders ausgiebig getuschelt wurde, gibt es also nicht. Sie sei zwar durchgespielt worden, letztlich habe man sich aber für einen anderen Weg entschieden. „Wir haben uns das alles nicht leicht gemacht“, betont Rosenfeld, „schließlich beenden wir eine Tradition mit Fußball bei der FSV. Die wirfst du nicht einfach mal eben weg.“

Warum also dieser Weg, der für die handelnden Personen allein durch die Gründung des Vereins mit erheblichem Aufwand verbunden ist? Die erste Antwort lautet: Damit der Aufwand für sie künftig geringer ist. „Wir sind zuletzt an unsere Grenzen gestoßen“, sagt Rosenfeld und meint damit zweierlei: Die Freie Sportliche Vereinigung ist mit ihren neun Sparten ein solch großer Verein, dass er umsatzsteuerpflichtig ist. Der 1. FC Sarstedt wird es nicht sein, der Gang zum Steuerberater entfällt folglich. „Wenn wir in den vergangenen Jahren etwa unser Rewe-Hallenmasters organisiert haben, standen wir immer unter erheblichem Druck, dass die Veranstaltung auch finanziell ein Erfolg wird“, gesteht Rosenfeld. Der Gesamtverein muss ja das Wohl aller im Auge behalten. Dieser Druck auf ihn und seine Mitstreiter entfalle, zumal man neben den alten auch auf neue Sponsoren bauen könne – ein Förderkreis ist bereits ins Leben gerufen worden. „Wir sind ein recht junges Team – und ein völlig neuer Verein. Die Wege werden kürzer, alte persönliche Animositäten spielen keine Rolle mehr“, sagt Rosenfeld. Durch die neue Attraktivität erhofft er sich zudem, die Arbeit auf mehr Schultern verteilen zu können. „Wir haben zuletzt am Limit gearbeitet.“

Im Speziellen meint er damit Matteo Menchise. Die seit Jahren enge Zusammenarbeit dieses Duos bildet die Grundlage für das, was gerade passiert. Menchise wird im neuen Verein in alter Funktion als Sportlicher Leiter tätig sein – im Übrigen bleiben alle bisherigen Verantwortlichen am Ball. „Mit der Gründung des neuen Vereins wollen wir den Spiel- und Trainingsbetrieb auf möglichst hohem Niveau sicherstellen“, sagt der 38-Jährige. Mehr als die Kreisliga sei in der bisherigen Konstellation dauerhaft eigentlich nicht möglich. Für eine Stadt mit fast 20 000 Einwohnern zu wenig, zumal die Kicker in Blau und Weiß – ihr Trainer ist seit gut zwei Jahren Fabian Bodenstedt, Vorgänger war Menchise – sportlich eine sehr positive Entwicklung genommen haben. Dümpelten sie zu Beginn des Jahrtausends noch in der 2. Kreisklasse herum, kratzen sie nach diversen Aufstiegen und zwei Kreispokalsiegen (2014 und 2016) als Tabellenführer der Kreisliga am Tor zur Bezirksliga. „Wir wollen da nicht auf Biegen und Brechen hin“, betont Menchise. Im knapp 40-seitigen Konzept für die Vereinsgründung ist der Sprung in den Bezirk aber durchaus als mittelfristiges Ziel festgehalten. „Und wenn man oben steht, will man da auch bleiben.“ Insgesamt gehe es aber um Kontinuität – und folglich nur mit einem starken Unterbau. Der TSV Pattensen ein paar Kilometer weiter nordwestlich ist ein Vorbild, wenn die Vereine auch schwer zu vergleichen sind. A- und B-Junioren im Bezirk, aber auch ein drittes Herrenteam für die, die nur aus Spaß am Spiel in einer Mannschaft spielen wollen – das soll die gesunde Mischung sein.

Mehr als eine Aufwandsentschädigung für Fahrtkosten soll auch künftig nicht gezahlt werden. Vielmehr sollen Gelder in das Clubheim oder die Umkleidekabinen, respektive deren Sanierung, gesteckt werden, denn der FSV-Sportpark bleibt die Heimat der Fußballer. Die Anlage an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße geht in den Besitz des neuen Vereins über – wie das Spielrecht für sämtliche Mannschaften in ihrer bisherigen Spielklasse. „Das haben wir frühzeitig mit dem NFV geklärt“, berichtet Rosenfeld.

Es bleibt also einiges beim Alten, auch die Vereinsfarben sind dieselben – Blau und Weiß. „Wir wollen die Wurzeln überhaupt nicht kappen, unsere treuen Anhänger müssen den Weg mitgehen wollen“, betont Menchise, der vor drei, vier Jahren erstmals über einen eigenen Verein nachdachte. Richtig konkret wurde es Anfang dieses Jahres, Ende April traten die Fußballer der FSV mit ihrem Anliegen an den Hauptvorstand heran. „Die Vorteile für beide Parteien überwiegen, somit haben wir uns in fairen und transparenten Gesprächen auf die Ausgliederung geeinigt“, berichtet Claudia Linsel, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtvereins. Man stehe nicht in Konkurrenz zueinander, vielmehr werde man bei Veranstaltungen auch zusammenarbeiten. „Wir gehen also im Guten auseinander“, sagt Linsel.

Wie es tatsächlich kommt, das wird die Zukunft zeigen. Spannend zu beobachten ist die Entwicklung allemal. Und Rosenfeld, Menchise und ihre Mitstreiter, die werden wohl auch weiterhin etwas Zeit mitbringen müssen, wenn sie durch die Innenstadt gehen. Das Gesprächsthema liegt auf der Hand.